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Batteriespeicher als Baustein eines flexiblen Stromsystems

Eine Einordnung aus der laufenden Projektpraxis: was ein Großbatteriespeicher im Netz tatsächlich tut, wo Co-Location einen Unterschied macht und woran Speicherprojekte in der Realität scheitern.

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Kurz beantwortet

Was ist ein Großbatteriespeicher (BESS)?

Ein Battery Energy Storage System, kurz BESS, ist eine netzgekoppelte Batterieanlage, die elektrische Energie aufnimmt, speichert und zeitversetzt wieder abgibt. Sie erzeugt keinen Strom, sondern verschiebt ihn vom Zeitpunkt der Erzeugung zum Zeitpunkt des Bedarfs.

Was bedeutet Co-Location?

Co-Location beschreibt die Kombination von Erzeugungsanlage und Speicher an einem gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt, typischerweise Photovoltaik plus Batteriespeicher. Beide teilen sich Netzanschluss, Fläche und Infrastruktur.

Warum werden bestehende Solarparks mit Speichern nachgerüstet?

Weil der langwierigste Teil eines Projekts bereits vorhanden ist: der Netzanschluss, die Fläche, die Genehmigung und die Anbindung. Ein Speicher an einem bestehenden Standort ist deshalb in vielen Fällen schneller realisierbar als ein Neubau auf der grünen Wiese.

Welche Erfahrung hat Marvin Großkrüger in diesem Bereich?

Er ist Geschäftsführer der GreenBESS GmbH, die bestehende Solarparks erwirbt, mit Batteriespeichern nachrüstet und eigenständige Großspeicher entwickelt. Zum Thema hat er 2026 bei pv magazine, Solarserver, erneuerbare-energien-aktuell und im Windkraft-Journal publiziert.

Was ein Speicher im Netz tatsächlich tut

Ein Batteriespeicher erzeugt nichts. Er verschiebt. Aus dieser einen Eigenschaft leitet sich alles ab, was er im Stromsystem leisten kann — und alles, was er nicht kann.

Drei Ebenen sind zu unterscheiden:

  • Zeitverschiebung. Der Speicher nimmt Energie auf, wenn viel davon im Netz ist, und gibt sie ab, wenn wenig davon im Netz ist. Das ist der Kern.
  • Netzdienstleistungen. Ein Speicher kann sehr schnell regeln und dadurch Aufgaben übernehmen, für die konventionelle Kraftwerke gebaut wurden.
  • Vermarktung. Die technische Fähigkeit allein trägt kein Projekt. Entscheidend ist, über welche Märkte und Verträge die Flexibilität tatsächlich in Erlöse übersetzt wird.

Co-Location oder Stand-alone

Beide Bauformen haben ihre Berechtigung. Sie unterscheiden sich weniger in der Technik als im Weg dorthin.

PunktCo-Location (PV + Speicher)Stand-alone-Speicher
Netzanschlussgemeinsamer Netzverknüpfungspunkt, meist bereits vorhandeneigener Anschluss, muss neu beantragt werden
FlächeBestandsfläche, Zuwegung und Umzäunung vorhandenFläche muss gesichert und erschlossen werden
Genehmigungvorhandene Genehmigungslage als Ausgangspunktvollständiges Verfahren
ErlösquellenVermarktung des Parkstroms plus Flexibilitätausschließlich Flexibilität und Handel
Typischer EngpassKapazität des bestehenden AnschlussesVerfügbarkeit eines Anschlusspunkts überhaupt

Speichernachrüstung bestehender Parks

Ein Speicher auf der grünen Wiese beginnt mit den Fragen, die am längsten dauern: Wo ist Netzkapazität, wem gehört die Fläche, was sagt die Genehmigungsbehörde. An einem bestehenden Solarpark sind diese Fragen beantwortet — und genau darin liegt der Wert.

Das ist kein günstigerer Weg zum selben Ergebnis, sondern ein schnellerer Weg zu einem anderen Portfolio. Geprüft wird bei jedem Bestandsstandort dasselbe:

  1. Wie belastbar ist die Anschlusszusage des Netzbetreibers?
  2. Welche Leistung lässt der bestehende Netzverknüpfungspunkt zusätzlich zu?
  3. Trägt die Fläche die zusätzliche Anlage, technisch und rechtlich?
  4. Wie ist der Park bisher vermarktet, und was ändert der Speicher daran?
  5. Wer trägt in der Betriebsphase welches Risiko?

Wovon die Wirtschaftlichkeit abhängt

Seriös lässt sich das nicht in einer Zahl beantworten. Was sich benennen lässt, sind die Größen, an denen ein Projekt hängt:

  • Leistung und Kapazität der Anlage im Verhältnis zum Anschlusspunkt
  • die tatsächliche Zyklenzahl im Betrieb, nicht die maximal mögliche
  • der Vermarktungsweg und die Laufzeit der zugrundeliegenden Verträge
  • die Netzentgeltsystematik und ihr regulatorischer Zeitplan
  • Betriebsführung, Verfügbarkeit und Alterung der Zellen

Wer eine dieser Größen ausblendet, rechnet ein anderes Projekt als jenes, das später gebaut wird.

Häufige Fehleinschätzungen

„Der Netzanschluss lässt sich später klären.“

Er ist der Anfang, nicht das Ende. Ein Projekt ohne belastbaren Anschlusspunkt ist kein Projekt, sondern eine Absichtserklärung.

„Ein größerer Speicher ist immer besser.“

Die sinnvolle Größe folgt aus dem Anschlusspunkt und dem Vermarktungsmodell, nicht aus dem verfügbaren Budget.

„Der Zeitplan hängt am Inbetriebnahmedatum.“

Regulatorische Stichtage wirken oft deutlich früher als das Datum, über das gesprochen wird. Dazu ausführlich der Beitrag bei pv magazine vom 2. September 2026.

Eigene Beiträge zu diesem Thema

Interviews zum selben Themenfeld stehen unter Presse. Wer dahinter steht: Über Marvin Großkrüger.

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